200 Jahre Kneipp 1821 - 2021

         

Liebe Vereinsmitglieder, besondere Zeiten bringen besondere Aktionen hervor.

Die Vorstandschaft möchte euch in den nächsten Wochen mit Beiträgen zu den fünf Kneipp-Wirkprinzipen Hilfen und Anstöße geben, mit denen jede/r von euch daheim Gutes für sich persönlich tun kann.

PFLANZENPORTRAIT  BRENNNESSEL Sebastian Kneipp Element Kräuter  

Text und Gestaltung: Elke Maritsch

Der Monat März und das nahende Frühjahr schenkt uns eine erste Auswahl an Kräutern, die sich jetzt der Sonne entgegenstrecken wie Huflattich, Brennnessel, Brunnenkresse, Löwenzahn, Bärlauch, junge Blätter der Schafgarbe, Giersch, Vogelmiere, Spitzwegerich …

„Die Brennnessel hat in der Tat für Kenner den größten Wert“ Sebastian Kneipp

 


Urtica dioica                        


Sie ist ideal für die Frühjahrs- und Herbstkur, denn sie wirkt wassertreibend, blutreinigend und entschlackend. Sie unterstützt bei der Behandlung von Rheuma, Gicht, Erkrankungen der Niere, Blase und bei Prostata sowie entzündlichen Darmerkrankungen. Zudem sorgt sie für gute Nerven und gesunde Knochen und ist hilfreich bei Störungen und Beschwerden von Galle und Leber.

Die gute Nachricht: Junge Brennnesseln besitzen noch keine Brennhaare. Die Brennnessel ist reich an löslicher Kieselsäure, Mineralstoffen und Vitaminen,  darunter auch gut verwertbarem Eisen. Sie hilft bei chronischer Müdigkeit und Leistungsschwäche und wirkt immunsystemstärkend.

Es gibt die kleine (brennt stärker) und die große Brennnessel. Beide sind verwertbar. Man erntet  das obere Drittel der Pflanze. Ab Mitte Mai pflückt man nur noch das obere Viertel. Da wir in der Regel eine größere Menge an Heil- und Wildkräutern nicht gewohnt sind, sollte man immer vorsichtig dosieren und sich herantasten.



Die Samen sind stark aphrodisierend und konzentrationsfördernd.  Studien belegen die Wirksamkeit bei Alzheimer und Demenz (Verzögerung des Verlaufs) und dienen zur Stärkung für geschwächte und ältere Menschen. Auch unterstützen sie den Östrogenspiegel bei Frauen.



 Nicht anwenden bei Ödemen, die durch Herzschwäche oder Nierenfunktionsstörungen bedingt sind. Nicht wirksam bei Zuckerkrankheit (Diabetes)! Brennnessel kann bei empfindlichen Personen zu Überempfindlichkeitsreaktionen oder Magenbeschwerden führen. 


Nach dem Motto:

„Die Natur hilft“ und „Die Natur ist die beste Apotheke“  äußerte Sebastian Kneipp:

„Wenn einer ein Dutzend solcher Kräuter kennt und deren Wirkung, so kann er unendlich vielem Unheil vorbeugen, er kann verhüten, dass Krankheiten an ihn herankommen, und wenn sie kommen, so kann er sie in kurzer Zeit entfernen." Sebastian Kneipp

In seinem 1886 erschienenen Bestseller „Meine Wasserkur“ beschreibt Kneipp im Kapitel „Apotheke“ über sechzig Kräuter und Mineralien zur Bereitung von Tees, Tinkturen, Pulvern und Ölen. Im Klostergarten von Bad Wörishofen pflegte er hierzu mehrere Kräuterbeete. Die meisten dieser Heilkräuter sind von der modernen Wissenschaft in ihrer Wirkung bestätigt worden.

TIPP: 12 Heilpflanzen  aus der Kneippschen Hausapotheke wurden anlässlich des Sebastian-Kneipp-Tages 2014 vom Kneippbund unter (Kneipps Hausapotheke) vorgestellt, die auch heute noch von größter Wichtigkeit sind (Arnika, Baldrian, Brennnessel, Fenchel, Holunder, Johanniskraut, Kamille, Rosmarin, Salbei, Spitzwegerich, Tausendgüldenkraut, Zinnkraut).

In geführten Kräuterwanderungen und Seminaren bieten sich heute für uns vielfältige Möglichkeiten die Heil- und Wildkräuter in ihrer Wirkung und den Einsatz derselben auch in der Küche kennenzulernen.

Wer den Kloster- und Erlebnisgarten des Klosters Waldsassen noch nicht kennt, dem  empfehle ich einen Ausflug im Frühsommer in diesen zu unternehmen. An ausgewählten Tagen  Alle Kurse (kubz.de) kann man eine Führung durch den Kneippgarten mitmachen oder sich zu den Öffnungszeiten auf eigene Faust die Themengärten anschauen.

„Heilpflanzen können auf sanfte Weise Störungen im Organismus harmonisieren und die Abwehrleistung des Körpers aktivieren. Dadurch wird der Organismus zu einer heilsamen Reaktion veranlasst. Auch das Entschlacken und Reinigen des Gewebes kann durch Heilpflanzen gefördert werden – Kräuter wirken damit wie eine innere Kur.“  Sebastian Kneipp                

Grundsätzlich gilt bei der Anwendung von Heil- und Wildkräutern:

Das Sammeln von Kräutern sollte nur dann erfolgen, wenn man wirklich weiß, was man sammelt. Wer sich nicht auskennt, verwechselt möglicherweise ähnlich aussehende Kräuter oder verwendet die falschen Teile einer Pflanze. Und es gibt durchaus Heilpflanzen, die giftige "Doppelgänger" haben (wie z. B. der Bärlauch).                 

BRENNNESSEL-SPINAT


ca. 10 Brennnessel-Sprossspitzen (pro Person), Butter, Creme fraiche, Gemüsebrühe, Salz und Pfeffer

Sprossspitzen etwas waschen, kleinscheiden. In viel Butter andünsten, mit etwas Gemüsebrühe ablöschen (ca. 3 Minuten leicht köcheln). Etwas Creme fraiche zugeben und bei Bedarf mit Salz und Pfeffer würzen.

Da Wildkräuter wesentlich geschmacksintensiver sind als unsere Gemüsesorten kann man auch das Rezept durch einen Hauptanteil Blattspinat und der Zugabe von Wildkräutern bereichern. Passt gut zu Nudeln, Kartoffelgerichten, Aufläufen,  Fisch …  Guten Appetit!


BRENNNESSELSAMEN-SALZ

Die getrockneten Brennnesselsamen kurz in einer Pfanne anrösten (ohne Fett) und 1:1 mit Steinsalz mischen.

BRENNNNESSELSAMEN-HONIG

Die getrockneten Brennnesselsamen kurz in einer Pfanne anrösten (ohne Fett) und mit Honig mischen. 

Noch ein paar Zitate von Pfarrer Kneipp:

„Seht so großes kann ein einfaches Kräutlein bewirken; wir gehen daran vorüber und beachten es kaum oder nicht. Jedes einzelne Kräutlein hat seine eigene und individuelle Wirkung.“

«Unser Herrgott hat für jedes Leiden ein Kräutlein wachsen lassen.»

„Mit jedem Schritt und Tritt, welchen wir in der Natur machen, begegnen wir immer wieder neuen Pflanzen, die für uns höchst nützlich und heilbringend sind.“

„Ich habe Jahre lang hindurch zum größten Teil mit Kräutern und weniger mit Wasser kuriert und dabei die schönsten Erfolge erziel

„Ich habe die feste Überzeugung, dass die Kräuter nicht nur Heilmittel, sondern auch ganz ausgezeichnete Nährmittel sind.“

Quellennachweis: 

Faszination Kräuterwissen „Stiftung Kultur- und Begegnungsstätte Abtei Waldsassen

Pflanzengöttinnen und ihre Heilkräuter von Ursula Stumpf 

 


Der Januar startet mit Hydrotherapie nach Kneipp mit ihren vielseiteigen Wasseranwendungen. Sie ist eine der ältesten Therapieformenweltweit. Wir starten mit zwei ausgesuchten Anwendungen, passend zur Jahreszeit.

Grundsätzliches zu den Wirkungen von Wasseranwendungen:

·        Verbesserung eurer Abwehrkräfte,

·        Förderung eures Körperbewusstseins,

·        Steigerung eurer Leistungsfähigkeit - wichtig für jene, welche momentan z.B. Homeoffice oder Ähnliches bewerkstelligen,

·        Harmonisierung eures Hormon- und Nervensystems. Letztere Wirkung ist sehr     notwendig, bedingt durch all das, was von jedem Einzelnen durch  Lockdown       usw. abverlangt wird.  

Diese Anwendungen können individuell, fein abgestuft und exakt auf jede Person zugeschnitten werden. Wichtig ist, dass ihr euch an die Grundregeln von Kneipp haltet, die passend zur jeweiligen Anwendung angefügt sind.

Schneegehen - was gibt es jetzt Schöneres?!

Das Gehen im frischen, nicht verharschten oder gefrorenen Schnee stellt einen starken thermischen Reiz dar, das zu Beginn nur für ein paar Sekunden durchgeführt werden sollte.
Unser Tipp: Holt euch den Schnee mit einer Schüssel ins Haus.

Wirkung des Schneegehens: Eine starke Gefäßerweiterung wird durch die rasche Rötung signalisiert und das Wärmegefühl nach der Anwendung zeigt eine gesteigerte Durchblutung. Außerdem hilft es prima gegen Abgeschlagenheit, Müdigkeit, bei bestimmten Fällen von Kopfschmerzen, Fußschweißbildung und für eine kräftige Muskulatur.

Durchführung: Mit erwärmten Füßen geht man für ein paar Sekunden (Steigerung möglich) in den Schnee - Rückweg bedenken- und streift dann den Schnee ab. Wer möchte kann z. B. mit bereitgelegten Wollsocken durch die Zehen fahren und die Zehen-Zwischenräume trocknen. Diese könnte man schon auf der Heizung vorwärmen. Für sofortige Wiedererwärmung sorgen die oben erwähnten Socken, nochmalige Bettwärme oder erwärmender Sport.

Nicht anwenden bei Unterleibs-, Blasen- und Nierenerkrankungen oder übermäßigem Frösteln sowie hochgradiger arterieller Durchblutungsstörung.



Salzabreibung mit anschließendem Salz- oder Apfelessigbad oder einem anderen Badezusatz

Wirkung der Salzabreibung: Bei Abgespanntheit, rheumatischen Beschwerden, Gicht, zur Belebung oder Hautpflege, Durchblutung oder Vorbeugung gegen Erkältung wirkt eine Salzabreibung mit anschließendem Bad Wunder. Das Salzbad eignet sich besonders gut bei sitzender Tätigkeit, in den Wechseljahren, für die Haut und dient der Entspannung.

Nicht anwenden bei bereits beim Schneegehen genannte Erkrankungen oder bei bestimmten Herz-Kreislauferkrankungen. Bitte vorher abklären.

Durchführung: Warmes Wasser einlassen, die Füße sollen beim Einreiben ins warme Wasser gestellt werden. Eine Handvoll grobkörniges Salz oder Meersalz in einen Tiegel geben, mit so viel Wasser vermengen, bis ein dicker Brei entsteht. Mit dieser Paste euren Körper von den Schultern bis zu den Füßen mit kreisenden Bewegungen abreiben. Aufpassen auf Wunden oder andere Hautverletzungen! Anschließend den Brei durch warmes oder kaltes Abwaschen/Abduschen entfernen.
Wir empfehlen im Winter das Entfernen des Salzbreis durch ein warmes Salz-Vollbad von 36 – 38 Grad. 1-2 Tassen Salz reichen für ein Salz-Vollbad, für ein Apfelessigbad 1 Tasse Apfelessig oder ihr bereitet euch ein Kräuterbad. Als Temperatur-Ausgleich und zur Entlastung des Herzens kann während des Badens ein feuchtkaltes Tuch auf den Kopf/die Stirn gelegt werden. Für ein Entspannungsbad wärmeres Wasser verwenden, ein belebendes Bad erreicht man bei 16 -22 Grad. Bitte nur kurz baden (< 15 min), um den Körper nicht zu sehr zu belasten. Nach einem Bad noch ein kalter Fußsohlenguss für Kreislauf und Herz. Abschließend ruhen und die Seele baumeln lassen.

Autorin: Barbara Winkler




Für den Monat Februar 

möchten wir euch Anregungen zum Kneipp-Element Ernährung geben. 

Geschrieben hat den Text Sabine Waegner. 

Vermutlich biegt sich das Küchenregal bei euch auch unter der Last der vielen Kochbücher mit unzähligen Rezepten, die sich über die Jahre angesammelt haben. 

Da zur Zeit geboten ist: „Bleibt daheim!“ und am 14.Februar der Valentinstag gefeiert wird, habe ich mir zwei Tipps überlegt in Anlehnung an das schöne Sprichwort: 

„Man kann auch von Luft und von Liebe leben!“ 

Tipp eins: Die Luft zum Atmen 

Unser Atemsystem ist durch Covid-19 extrem betroffen und belastet. Doch vergessen wir nicht, dass auch das Frühjahr allgemein häufig Infektionen der Atmungsorgane hervorruft. Gerade in Zeiten von „Zuhausebleiben“ ist es somit doppelt wichtig, ein großes Augenmerk auf die Atmung zu legen. Deshalb ist die folgende Bewegungsübung eine gute Anleitung für das richtige Atmen: (siehe Bild) 

• In Schrittstellung hinstellen 

• Linkes Bein nach vorne, linken Arm nach schräg oben 

• Rechtes Bein leicht vom Boden heben, rechten Arm nach unten hinten 

• Ruhig ein- und ausatmen, den Atem fließen lassen 

• In den Schultern locker bleiben, die Ausdehnung des Brustkorbes, vor allem in den Flanken, also seitlich, beobachten 

• Einen Schritt nach vorne machen,

 • Rechtes Bein nach vorne, rechten Arm nach schräg oben 

• Linkes Bein leicht vom Boden heben, linken Arm nach unten hinten 

• Je nach Belieben ein paar Schritte machen 

• Immer den Atem ruhig fließen lassen und die seitliche Ausdehnung des Brustkorbes beobachten. 

Das ist die sogenannte Flankenatmung, die Nieren werden in ihrer Tätigkeit angeregt. „Weit, offen und empfänglich wird der Einzelne, wenn er in dieser sensiblen Region einen natürlichen Kraftzufluss verspürt und sich ausreichend in einem sicheren Umfeld erlebt. Eng und eingeschnürt aber kann diese Region um die Nieren und um den unteren Brustkorb herum werden, wenn Ängste den Menschen heimsuchen und wenn er sich vor der Außenwelt schützen möchte.“ (Heinz Grill, „Das Wesensgeheimnis der Seele“ S.254) 

Zitate Sebastian Kneipp zum Atmen und zum richtigen Umgang mit Luft:

 „Auch die Atemgymnastik kann mit dem Spaziergange leicht verbunden werden. Man bleibe unterwegs einige Minuten stehen und ziehe ganz langsam, tief Atem holend, die frische Luft ein, halte sie ein wenig in den Lungen zurück und atme sie dann ebenso langsam wieder aus.“ 

„Wem seine Gesundheit lieb und teuer ist, biete das Mögliche auf, in reiner Luft seine Zeit zu verbringen.“

„Frische, entsprechend dem Alter, zu erhalten, bedarf nur der vernünftigen Anwendung von Luft, Licht, Wasser, zweckmäßiger Ernährung einschließlich der Heilkräuter. 





Tipp zwei: Die Liebe in der Nahrung Achtsamkeit und Nachhaltigkeit üben in der Zubereitung der Speise: 

 Alle Schritte mit Freude ausführen. 

 Bei der Vorbereitung für die Mahlzeit genug Zeit einplanen, so dass das Gericht mit Hinwendung zu den Personen zubereitet werden kann, die verköstigt werden sollen. 

 Bei der Wahl der Lebensmittel darauf achten, welchen Weg sie schon zurückgelegt haben, wie wohl die Umstände der Herstellung waren. Wir haben das große Glück in einer ländlichen Gegend zu wohnen mit vielen Möglichkeiten regionale Produkte einkaufen zu können. 

 Bei der Verarbeitung der Lebensmittel den Gedanken der Anerkennung bewahren. Auswahl an Kräutern, Gewürzen und Lebensmitteln für unser Immunsystems: 

 Kräuter und Gewürze für die Stärkung des Immunsystems: Bärlauch, Chili, Ingwer, Oregano, Petersilie, Rosmarin, Zimt. 

 Entlastung des Immunsystems durch die Befreiung von Übersäuerung: Zitrone, Grapefruit, Joghurt, Sauerkraut haben basische Wirkung bei angemessener Zufuhr. 

 Bildung/Aufbau des Immunsystems: Eiweißspender für die Bildung der Abwehrzellen: Hülsenfrüchte wie Sojabohnen, Erbsen, Linsen, Kichererbsen. 

Pfarrer Sebastian Kneipp war kein Asket. Er aß gern und genoss das Leben. Bei allem Genuss hielt er sich jedoch an ein einfaches, wie wirksames Rezept, um einen harmonischen Ausgleich für Körper, Seele und Geist zu schaffen: 

„Die Nahrung soll einfach und naturbelassen sein, aber schmackhaft!"

Weitere Zitate Sebastian Kneipps zum Thema Natürlichkeit, Einfachheit und Mäßigung:

„Lasst das Natürliche so natürlich wie möglich. Die Zubereitung der Speisen soll einfach und ungekünstelt sein. Je näher sie dem Zustande kommen, in welchem sie von der Natur geboten werden, desto gesünder sind sie.“ 

„Die Nahrung ist nur dann zuträglich und gesund, wenn sie der Natur des Menschen zuträglich ist und von ihr verarbeitet wird.“ 

„Wem es gelänge, die Menschen zur Einfachheit, Natürlichkeit und vernünftigen Lebensweise zurückzuführen, der hätte das Höchste geleistet – nämlich die soziale Frage gelöst.“ 

… der Abendtisch nicht zu reichlich und nicht zu spät genommen werden soll. 

"Im Maße liegt demnach die Ordnung. Jedes Zuviel und Zuwenig und Zu spät setzt anstelle von Gesundheit die Krankheit.“ 

„Wenn du merkst, du hast gegessen, hast du schon zu viel gegessen.“ __________________________________________________________ Quellennachweis Kräuterbild: "Eine Prise Gesundheit - Die verborgenen Heilkräfte der Gewürze" Sanja Loncar, Sabina Topolovec, Marija Kocevar, Nadja Bacac